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Artikel vom: 29.03.2010
Otto isst VEGI

Otto isst VEGI:

Am 1. Oktober 1933 wurde durch die Nationalsozialistische Regierung der so genannte Eintopfsonntag ins Leben gerufen. In der Zeit von Oktober bis März sollte an jedem ersten Sonntag im Monat in den deutschen Haushalten nur Eintopf gegessen werden. Dabei wurde festgelegt, dass eine solche Mahlzeit nur 50 Pfennig kosten, und das gesparte Geld dem Winterhilfswerk zugute kommen solle. Eine Maßnahme die Kraft der damaligen Diktatur einfach zu bestimmen war. Es reichte nicht, dass man nur Geld gab, das Gefühl der Volksgemeinschaft sollte gestärkt werden, durch den gemeinsamen Verzehr eines kargen Essens.

Es ist mir schon klar, dass solche Vergleiche nicht gern gehört werden, aber irgendwie drängt er sich bei mir auf, als ich die Diskussion um einen VEGI Tag im Magdeburger Stadtrat verfolgen durfte. Dabei geht es nicht um eine Suppe für die Volksgemeinschaft, sondern um vegetarisches Essen, dass gemeinsam immer Donnerstags verzehrt werden soll. Der Stadtrat hat den Antrag der Grünen, Tierschutzpartei und Future abgelehnt. Recht so. Sonst hätte man gleich mit entscheiden können, ob nicht wieder ein Blockwart oder eine HGL eingeführt wird, die Verstöße melden. Die politischen Entscheidungsträger sollten mal darüber nachdenken, was sie da beantragen und wie weit die Freiheit zu essen was man will, durch die Politik eingeschränkt werden darf. Der Studentenrat schafft vollendete Tatsachen und will den VEGI Tag jetzt in den Mensen der Uni durchsetzen. Die Propaganda des Studienrates heißt „Informationskampagne zum übermäßigen Fleischkonsum“. Außerdem, so wörtlich in der Medienmitteilung: "sollen vielfältige vegetarische Kochrezepte vorgestellt werden, die die Studenten anregen sollen, abwechslungsreiche vegetarische Gerichte kennen zu lernen". Das klingt leider fast wie das Vorwort zum Eintopfkochbuch von Erna Horn aus dem Jahr 1933. Nur dass es eben damals das Rezept zum Eintopf war.

Deshalb liebe Studenten und Vegetarier, der Blick in die Geschichte bewahrt vielleicht vor all zu viel Fatalismus bei der Durchsetzung von bestimmten Interessen. Noch ist die Bundesdeutsche Gesellschaft eine der tolerantesten, die es auf der Welt gibt. Und deshalb hat die Politik nichts auf dem Teller der Menschen zu suchen. Das ist und bleibt Privatsache. Und für alle Wurstesser: wir treffen uns am Samstag beim Lemsdorfer Lümmel...

 



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